kommt jetzt wirklich der Wasserstoff-Motor?

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    angeblich entwickelt Kawasaki zusammen mit Yamaha ein Wasserstoff-Motorenkonzept für Motorräder. Der Wasserstoff soll dabei direkt verbrannt werden, also ohne Brennstoffzelle und E-Antrieb. Das hat sich bisher nicht durchgesetzt weil der Wirkungsgrad sehr schlecht ist. Bin gespannt ob Kawa das jetzt wirklich hinbekommt.

  • Ahhhhh, ich kann es nicht mehr hören. Was bitte soll den der Schei.... mit dem Wasserstoff?


    Also, hier mal ein paar Punkte, die man vielleicht beachten sollte:


    1) Wasserstoff hat leider zwei große Nachteile. Einmal, dass er mit nur 9 g/m³ extrem leicht ist und vor allem, er wird unter Druck nicht flüssig. Heißt nix anderes, als dass ich ihn unter extremen Druck setzten muss, damit ich wenigstens etwas Masse und damit Energie in den Tank bekomme. Also, nur so zur Größenordnung, wir sprechen hier von runden 800 bar. Bedeutet, dass das Zeug in der Tankstelle auf über 1.000 bar verdichtet werden muss, damit es in erträglicher Zeit in den Tank strömt. Die zur Verdichtung aufgewendete Arbeit ist dann futsch. Bedeutet aber auch, dass der Tank diesen 800 bar + Sicherheitszuschlag stand halten muss. Dafür reicht der leichte, 1mm Stahlblechtank wohl kaum. Das Fahrzeug wird entsprechend schwerer.


    2) Aus den oben genannten Gründen kann nur sehr wenig in einem Tank mitgeführt werden. Das gleicht eine Kombi aus Brennstoffzelle + Elektromotor durch den besseren Gesamtwirkungsgrad (so ca. 45 % bis 55%) etwas aus. Aber den Wasserstoff jetzt in einen Verbrenner tun und den schlechten Wirkungsgrad mitnehmen, echt jetzt?


    3) Wasserstoff zu erzeugen ist leider mit Verlusten verbunden. Es braucht also mehr Energie, als letztlich im Wasserstoff gespeichert ist.

    Aktuell liegt der Wirkungsgrad wohl so um die 70 %. Aus 10 kwh Strom werden also 7 kwh Wasserstoff.


    Jetzt ist das ja alles "ach so ökologisch". Leider nicht, weil:

    So eine Anlage zur Erzeugung von Wasserstoff läuft 24/365. Heißt nichts anderes, als das jede Menge Strom aus Braunkohle in die Produktion fließt. Nämlich immer dann, wenn es draußen dunkel und recht windstill ist. Dann wird übrigens auch viel Strom für die ebenfalls ganz, ganz tollen Wärmepumpen gebraucht.


    Je nachdem aus welchem fossilen Energieträger der Strom stammt, ist er wie folgt mit CO2 belastet:


    Braunkohle: ......400 g/kwh

    Steinkohle/Öl:... 300 g/kwh

    Erdgas:............... 190 g/kwh


    Jetzt kann jeder mal selber überschlagen, ob das alles wirklich eine so tolle Idee ist.

    Um es kurz zu machen, NEIN, ist ne richtig blöde Idee. Lässt sich nur gut verkaufen, weil ja nur Wasser aus dem Auspuff kommt.


    Wird mit dem "Kohleausstieg" nur etwas besser. Kohleausstieg heißt nichts anders als: Kraftwerk bleibt stehen, Kohlebrenner raus und Gasbrenner rein.


    PS:

    Wenn jetzt jemand meint, meckern ist leicht, aber Vorschläge hat er keine. Doch hat er: Synthetische Treibstoffe + Verbrenner.


    => Können dort produziert werden, wo permanent Wind oder Erdwärme als Energiequelle zu Verfügung steht und sind damit unabhängig vom Wirkungsgrad bei der Produktion CO² neutral.

    => Sind leicht zu handhaben, wie Benzin oder Diesel auch.

    => Komplette Infrastruktur ist vorhanden.

    => Wäre ein definierter Triebstoff und nicht eine wilde Mixtur aus hunderten von unterschiedlichen Bestandteilen wie bei Benzin oder Diesel. Lässt sich dadurch viel kontrollierter und sauberer verbrennen.

  • Jetzt hab ich den Artikel doch noch gelesen... die haben wirklich keine Ahnung. Passt aber.


    Folgender Ausschnitt:

    Bei Kawasaki, wo man bereits seit 2010 an wasserstoffbetriebenen Kolbenmotoren und Gasturbinen arbeitet, sieht man den Hauptvorteil der H2-basierten ICEs in der direkten Verbrennung des Energieträgers, wodurch Umwandlungsverluste wie bei der Verstromung des Wasserstoffs in der Brennstoffzelle vermieden werden.


    Direkte Verbrennung

    100 kwh Wasserstoff mit ca. 33 % => 33 kwh Antriebsenergie


    100 kwh Wasserstoff mit ca. 60 % Wirkungsgrad der Brennstoffzelle => 60 kwh Strom

    60 kwh Strom mit ca. 90 % Wirkungsgrad des E-Motors => 54 kwh Antriebsenergie.


    Weil der Gesamtwirkungsgrad aus Brennstoffzelle + E-Motor mit 54 % so schlecht ist, ersetzt man ihn durch einen Verbrennungsmotor mit runden 33 %. Ja, macht Sinn.

  • Laut Wiki:

    Das komplette Wasserstoff-Tanksystem für einen Pkw soll nur noch 125 kg wiegen.[2] Der Energieaufwand für die Komprimierung auf 700 bar beträgt ca. 12 % des Energieinhaltes des Wasserstoffs.


    Wasserstoffspeicherung – Wikipedia


    So ein hochwertigen Carbonspeicher, der 2.000 bar Druck stand hält und absolut fehlerfrei gefertigt sein muss, wird sicher auch nicht zum Preis eines Blechtanks zu haben sein.


    Übrigens, aktuell werden ca. 98 % des Wasserstoffes aus fossilen Rohstoffen wie Kohle, Erdöl oder Erdgas erzeugt.

    Also, anstatt das Öl direkt zu verbrennen, macht man mit erheblichen Verlusten Wasserstoff daraus, wendet nochmals 12 % für das Verdichten auf, ums es dann letztendlich mit dem gleichen schlechten Wirkungsgrad wie Benzin, Diesel, LPG oder Erdgas im Motor zu verbrennen. Ja, überzeugt mich weil ja nur Wasser aus dem Auspuff kommt.


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    der Gesamtwirkungsgrad ist zu gering, das sehe ich genauso. Das Problem mit der Wasserstoff-Produktion sehe ich dagegen positiver. Es muss künftig deutlich mehr Windkraft geben und wenn die Windturbinen nachts zu wenig Abnehmer finden, wäre die Produktion von grünem Wasserstoff schon eine Idee. Ob der grüne Wasserstoff dann günstiger herzustellen ist als synthetischer Kraftstoff wird sich dann zeigen. Wasserstoff wird im Schwerlastverkehr favorisiert, synthetischer Kraftstoff im Flugverkehr. Früher oder später kommt da vermutlich eine entsprechende Infrastruktur.

  • Solange es keine großen, billigen Speicher für Strom aus Wind und Solar mit hohem Wirkungsgrad gibt, wird das Ganze nicht funktionieren. Großtechnische Anlagen brauchen eben eine 24/365 Energieversorgung. Nur nachts funktioniert halt nicht. Und jetzt komme bitte keiner mit Batteriespeichern... das wird nix. Für eine Kilowattstunde braucht es eine Bleibatterie von ca. 33 kg. Von der Zyklenfestigkeit ganz zu schweigen. Auch das ganze andere Zeugs auf Metallbasis funktioniert dafür leider nicht. Lithium ist aktuell nicht einmal recyclingfähig.


    Oh, es gib ja was. Pumpspeicherkraftwerke. Ein Stausee unten und einer etwas höher gelegen. Wirkungsgrad liegt bei ca. 80 %, die speicherbaren Energiemengen sind enorm und das Ganze hält locker 100 Jahre. Das Problem ist nur, beim Bau der Stauseen könnte ja ein paar Hamster ertrinken und die Zauneidechsen müssten auch umgesiedelt werden, kostet ja nur rund 4.000,- € das Stück. Und bis alle fertig geklagt haben, spielt es auch keine Rolle mehr. Ja und schick ist es auch nicht, weil ja keine neue tolle Technik.


    Sorry, aber das ganze Theater nervt mich gewaltig, weil ich die Folgen sehe, die in 2 - 3 Generationen richtig zuschlagen werden. Wenn das Inlandseis mal weg ist, wird Paris zum Tauchrevier in 30 Metern Tiefe.


    Und jetzt ist Schluss, da das alles nichts mit der ER6 und Moppedfahren zu tun hat.

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    Das Betraf das Ausschweifen über Wind, Energiespeicher etc.


    Das hat mit Motorradfahren und der Erna ja wirklich nichts zu tun?


    Gruß Jochen

  • Hi,

    ach, vllt. sind das ja nur Marketing Informationen, die man durchsickern lässt um die Kunden bei Laune zu halten, kaum einer lässt sich in die Karten gucken.

    Hier forscht man derzeit an der Herstellung von Ammoniak als Treibstoff.

    Leider hat der auch geringen Energiegehalt und produziert als Verbrennungsrückstände giftiges Lachgas.

    Soll aber leichter zu beherrschen sein als H2.

    Natürlich wird hier übersehen, das bei Kolbenmaschinen immer atemwegsreizendes NOx produziert wird, welches denn mit KAT wieder zerlegt werden muss, nur eben weniger oder kein CO2 wird hier besonders hervorgehoben.

    Ich sehe ein Ende des Verbrenners, sobald 40-50% Alternativantriebe da sind, da denn die Handelsketten unrentabel werden.

    Und ich sehe eine schleichende Verteuerung bzw. sogar Verhinderung unserer Mobilität.

    Das geht ja derzeit über mangelnde Neufahrzeuge bis hin zum geforderten Fahrverbot für Abtrünnige.

    Die jetziges Situation sieht eh nach starkem Wandel aus, und dem kann man sich nun mal nicht verschliessen.

    Gruß

    Helge

  • "Die Xiaomi-Tochter Segway hat bereits im Frühjahr 2021 angekündigt, das Wasserstoffmotorrad Apex H2 bauen zu wollen" Das war heute ein Beitrag bei NTV. In dem Artikel steht weiterhin "Bereits im Oktober 2021 hat die chinesische Designfirma X-Idea den Designentwurf XCell präsentiert"

    Beide sollen mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen laufen. Das finde ich besser als reinen Elektro- bzw. Wasserstoffantrieb.

    Spannende Entwicklung auf jeden Fall.

    Tom :hi

    Kurz hinter dem Grenzbereich lauert der Tod.

  • E-Motor oder Verbrenner ist ja eigentlich (fast) egal.

    Das Hauptproblem der E-Mobilität ist die mangelnde Reichweite (Diesel - E-Auto), die lange Wartezeit beim Laden und die mangelnde Infrsstruktur, die auch nicht so schnell stehen wird.

    Ladezeit (Tanken) und Lademöglichkeit (H2Tankdtellen analog aktueller Tankmöglichkeit) beseitigt diese Nachteile.

    Auch die Reichweite ist bei H2 Autos höher als bei BE-Autos.

    Wird bei Motorrädern analog sein.

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    bei den Batterien tut sich meiner Meinung nach aber aktuell am meisten. Das Problem Ladezeit sollte in wenigen Jahren kein Thema mehr sein. Wenn dann noch die Tankstellenbetreiber auf E-Ladesäulen umsteigen (Shell macht da ja schon Werbung) sollte auch das Reichweitenproblem seinen Schrecken verlieren. Billiger werden die Batterien auch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die H2-Technik (in welcher Form auch immer) im PKW-/Motorradbereich preislich mithalten kann.

  • Da sich Andere beteiligen, will ich auch noch mal was beitragen hinsichtlich E-Mobilität. Machen wir also einen Off-Motorrad-Topic draus.


    Einfach mal überschlagen, was Tanken bedeutet.


    Benzin:

    Eine Zapfsäule liefert ca. 32 L/min. Macht x 0,75 kg/L = 24,00 kg/min. Macht x 8,5 kwh/Liter = 204 kwh je Minute. Sind dann für Volltanken mit 64 Litern = 408 kwh in 2 min.


    Elektrisch:

    Jetzt muss in so eine Batterie auf Grund des hohen Wirkungsgerades eines E-Motor von über 90 % für die gleiche Reichweite nur rund 1/3 an Energie rein. Wären für die gleiche Reichweite aber immer noch 408 kwh/3,33 = 134 kwh. Jetzt verlängern wir die Ladedauer auf das 5-fache der Tankdauer, also für die Reichweite von 64 L Benzin dann 10 Minuten laden statt 2 Minuten Tanken. Es müssen also 134 kwh in 10 Minuten in die Batterie. Macht dann 134 kwh/10min = 13,4 kwh/min x 60 min = 804 kwh in der Stunde. Also eine Ladeleistung von 804 kw oder, zur Veranschaulichung 1.093 PS.


    Um das Benzin in den Tank zu fördern, braucht es nur eine kleine elektrische Pumpe. Die eigentliche Energie steckt ja im Benzin. Beim Laden sieht das etwas anders aus. Da muss die Energie über ein Kabel der Tankstelle in dem Moment zugeführt werden, in dem geladen wird. Nehmen wir jetzt mal eine „normale“ Tankstelle mit 8 Zapfsäulen. Da Laden länger geht, sollten es mehr Ladestellen sein, sagen wir 10. Das macht, wenn zu Stoßzeiten alle an die Tanke wollen eine Ladegesamtleistung von rund 8.000 kw.

    Der Strom für diese 8.000 kw muss jetzt durch ein Kabel zur Tankstelle. Hat jemand eine Vorstellung, was für ein Kabel notwendig ist, um eine solche Leistung zu transportieren? Die vorhandene Infrastruktur ist laut einem Kumpel, der beim hiesigen Netzbetreiber tätig ist, im 1 kv-Netz schon am Limit. Höhere Spannungen zur Versorgung würden ein Umspannwerk an jeder Tanke bedeuten.


    Kleines Beispiel zur aktuellen Situation.

    Hier in Freiburg hat ein mir bekannter Bauträger an einer großen Hauptstraße vor kurzem einen Neubau mit 50 Wohnungen und 50 TG-Stellplätzen errichtet. Er hat jeden der TG-Stellplätze mit einer normalen Haushaltssteckdose zum Laden ausgerüstet. Also je Stellplatz 3,6 kw Anschlussleistung. So weit, so gut. Da je Wohnung eine Anschlussleistung von 3 kw vorgesehen ist, hat er beim Netzbetreiber folgenden Antrag gestellt: 50 x 3kw + 50 x 3,6 kw = 360 kw.

    Klare Absage des Netzbetreibers.

    Mehr als die für die Wohnungen erforderlichen 150 Kw Anschlussleistung sind nicht drinnen. Andernfalls müssten wir die komplette Hauptstraße bis zum nächsten Verteiler aufmachen und neue Versorgungsleitungen verlegen.

    Neue Leitungen wegen fehlender 180 kw? Eine einzige Tankstelle braucht 44 mal so viel Leistung. Für die Versorgung der Stromtankstellen müsste also eine komplett neue elektrische Infrastruktur geschaffen werden.

    Dazu drei Fragen:

    1) Wer bezahlt das

    2) Wer macht das

    3) Wann soll es gemacht sein


    Das beantwortet aber immer noch nicht die entscheidenden Fragen:


    Woher sollen die Unmengen Strom kommen?

    16,9 Mio. Tonnen Benzin + 32,9 Mio. Tonnen Diesel wollen ersetzt werden.

    Lassen wir den Diesel mal weg, da sind die LKW mit drinnen. Sind dann immer noch 16.900.000.000 L bei 8,5 kwh/l also 143.650.000.000 kwh. Um das zu ersetzen braucht es 1/3 davon als Strom, macht 47.404.500.000 kwh nur für die Benziner und unsere Moppeds natürlich. Alles aus erneuerbare Energien wenn es draußen dunkel und windstill ist? Klar, wenn wir Speicher hätten... ups, haben wir ja nicht und sind auch keine geplant.


    Die nicht angegangenen Probleme ließen sich noch eine ganze Weile fortsetzen.


    Wenn ich mir die Zahlen so ansehe und dann das, was passiert und gesagt wird....

    Ich sag jetzt besser nicht, was ich davon halte, da müsste ich grob ausfällig werden.

  • Das hinkt für mich gewaltig.

    Damit 1l Treibstoff im Tank landet, braucht es mehr als eine kleine Pumpe. Die gesamte Logistik und die Herstellung benötigt ebenfalls Strom. Der Strombedarf einer Ölraffinerie ist mir nicht bekannt, dürfte jedoch exorbitant sein. Ob die Herstellung und Unterhalt von Ölplattformen, Ölpumpen, Spezialschiffen, Pipelines, Tankschiffen, Tankfahrzeugen, Raffinerien und Tankstellen ähnlich viel Strom benötigt wie die Errichtung eines globalen multifunktional nutzbaren Verteilungs- und Erzeugungsnetzes für Strom wäre interessant. Zumal mit Aufgabe der mineralölbasierten Produkte wie Kunststoffe zumindest im Verbraucherbereich des täglichen Bedarfs sicherlich kein falscher Schritt getan wäre.


    Erschreckt hat mich

    Die nicht angegangenen Probleme ließen sich noch eine ganze Weile fortsetzen.

    denn eben die nicht angegangenen Probleme haben uns genau in die Situation gebracht in der wir uns befinden. Seit den 80ern wurden alle mahnenden Stimmen abgetan und als Miesepeter und Träumer verunglimpft. Jeder, der alternative Wege in Erwägung zog, ist bis heute ein Spinner oder Träumer. Wir wachen erst auf, wenn die Backe nach der Watsch'n brennt. Die erhobene Hand erscheint uns erstmal unwichtig, könnte ja auch ein Gruß werden.


    Mich langweilt im Gegenzug dieses altbacken hausmütterliche Gejammer "Hach, wie soll das alles nur gehen?!" so unglaublich, weil es das schon immer gab und so destruktiv ist.


    Wohin kämen wir, wenn niemand ginge um zu sehen wohin wir kämen, wenn wir gingen?


    Das es keine Wahrheit für so ein komplexes Thema gibt, wollen die meisten aus Bequemlichkeit ja nicht wahrhaben. Pioniergeist und Visionen werden aus der aktuellen Überheblichkeit des schnell verfügbaren Wissens und der vielen Schlaumischlümpfe als unrealistisch abgetan. Wie früher von den Bauern mit den Zweispännern. Das mit dem stinkenden, lauten Vehikel, welches alle erschreckt und dessen Treibstoff aus der Apotheke kommt hat keine Zukunft. Meine Pferde finden immer was zu fressen.


    Selbstverständlich kann man einen Karren, den man 130 Jahre lang immer tiefer in den Dreck gefahren hat, nicht mal eben wieder rausziehen. Schon gar nicht, wenn man fleissig weiter rodet. Die jämmerlichen Ersatzpflanzungen gerade für Straßenbau gehen reihenweise ein.


    Wir leben in einer Welt in der Weltverbesserer und Opfer Schimpfworte sind. Das ist am einfachsten, weil man sich damit ja nicht weiter mit Thema befassen muss. Früher hätte ich gesagt: "Empathie? Nö, ich bin geimpft!" Geht jetzt auch nicht mehr, weil dann der nächste Jihad losbricht. Sachliche Diskussionen im Wissen, die Lösung nicht fassen zu können, sind schon lange aus der Mode.


    Warum werden komplexe und weitsichtige Ideen seit Jahrtausenden regelrecht bekämpft? Vielleicht, weil man nicht einsehen kann und will, dass das eigene Vorstellungsvermögen sehr beschränkt ist und sich einfache Lösungen sich immer besser propagieren lassen.


    Die Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit und Beschränktheit inspirierte mich zu meinem Nick. Im Kaizen ist das permanente Streben nach Perfektion im Wissen, dass diese per Definition unerreichbar ist, verankert. So bemühe ich mich jeden Tag mich zu hinterfragen, zu korrigieren und über mich hinauszuwachsen. Immer in dem Bewußtsein, dass ich keinen Deut besser bin als andere. Aber ich versuche es wenigstens und versinke nicht in Selbstgefälligkeit.


    Somit hat Jörg natürlich berechtigte Einwände und Bedenken, ohne Frage. Aber kritische Fragen zu stellen ist halt leichter als substanzielle Antworten zu geben.


    Nix für ungut, ich beziehe mich auf allgemeine Betrachtungen und wollte dir, lieber Jörg nicht ans Bein pissen.


    Amen.

  • @KaiZen es ging in dem Beitrag nicht um die Herstellung des Benzins sondern um die Nutzbarkeit in einer bestimmten Zeit und Menge für eine entsprechende Reichweite. Keiner wird abstreiten das wir nicht alternative Antriebe benötigen werden. Nur wird bei uns der zweite Schritt vor dem Ersten gemacht. Es wird uns ein Verkehrsprinzip aufgezwungen was in der derzeitigen Entwicklungsstufe für die meisten nicht anwendbar ist und das mit Unmengen an Subventionen. Genau deswegen reden wir ja hier auch über die Idee das zB. mit H2 zu erreichen. Was sich letztendlich durchsetzen wird.. wer weiß das Heute schon. Aber egal was es ist es sollte VOR der Einführung Massentauglich sein bzw. sollte es sich neben gängigen Konzepten entwickeln.

    Du wolltest eine Diskussion also bitte dann diskutiere auch.

    Tom :hi

    Kurz hinter dem Grenzbereich lauert der Tod.

  • Ich sehe es ja genau so wie Micha. Kenne das Problem mit Pioniergeist aus eigener, leider sehr teuren Erfahrung.


    Ich hab hier im Keller ein selbst gestricktes BHKW stehen, das alles, was am Markt ist um Längen schlägt. Zumal die Kombi meines Wissens aus Technik und Immobilienverwaltung vieles ermöglichen würde. Aber,... siehe oben. Hat mich einen mittleren 5-stelligen Betrag und ein Jahr Arbeit gekostet. Was jetzt erforderlich ist, sind Investoren um das Projekt auf eine industrielle Schiene zu setzten können. Da bekommt man dann so Sätze zu hören wie: "das lohnt sich bei dem bisschen Geld das Sie brauchen für uns nicht. Wenn Sie aber 20 Mio. oder 50 Mio. für die Internationalisierung brauchen, würden wir uns sehr gerne beteiligen" - Originalton. Was ich an schönen Schreiben der Politik hier habe... "bestmögliche Unterstützung", bla, bla, bal. Ist halt das Papier nicht wert, auf dem es steht. LOI (Letter of Interest) von regionalen Energieversorgern "wir sind daran interessiert 500 Stück zu erwerben". Leider alles nichts wert.


    Richtig eingesetzt haben diese kleinen einerlegenden Wollmilchsäue von BHKW das Potential mind. 100 Mio. Tonnen CO2 jährlich zu vermeiden (Deutschland in 2020: 739 Mio. t). Billig, schnell und effizient. Aber nein, man subventioniert lieber einen ID3, da kostet die vermiedene Tonne CO2 nur 3.500,- €. Würde so ein BHKW je Tonne genau so subventioniert, wäre jeder Betreiber in 10 Jahren Millionär. So ca. 35 t / Jahr x 10 = 350 t x 3.500,- € = 1.225 Mio. €.

    Mit dem Strom aus dem eigenen BHKW könnte ein 4-Personenhaushalt auch im Sommer eine Reichweite von 100 km täglich in das Auto laden. Direkte Leitung, keine Netzbelastung, mit Erdgas nur 28g CO2 auf den km und das Ganze für wenige Cent.


    Natürlich muss jemand loslaufen und was probieren, darf auch gerne schief gehen. Im Gegensatz zu früher haben wir aber das Problem, dass wir die technische Möglichkeit haben, uns die Existenzgrundlage zu entziehen und diese weidlich nutzen. Es ist schlicht keine Zeit mehr was zu entwickeln, auf den Fusionsreaktor zu warten, oder was auch immer. Es muss sich extrem zeitnah was bewegen und das gründlich. Da hilft kein Tempolimit oder ähnlicher Populismus. Googlet mal nach Methanhydrat, eine echte Zeitbombe die da tickt. https://www.planet-wissen.de/n…/pwiemethanhydrat100.html


    Aktuell ist die Holzhammermethode gefragt. Wie z.B. ein BHKW, wie z.B. ein Windkraftrad und ein Pumpspeicherkraftwerk. Oder auch gerne ein Windpark in Südamerika in den brüllenden 40ern der den Strom für synthetische Kraftstoffe liefert. Auch gerne ein Tempolimit für Frachtschiffe und Flugzeuge, da hätten -10% Speed sicher einen deutliche Einfluss und da es alle gleich trifft, wäre es vom Wettbewerb her auch kein Problem. Klagen ist nicht, da müssen wir jetzt durch darf die einzig mögliche Option sein. Niemand weiß, wann der "Point of no return" erreicht ist. Das man ihn überschritten hat, wird meist erst hinterher klar. Dann ist es in diesem Fall auch egal.

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